Business Talk: Plädoyer für sinnstiftende Arbeit

Gruppenfoto der Diskussionsrunde "Business Talk". Von links stehen: Daniel Greitens, Bianca Boudein, Dr. Corinna Frodermann, Landrat Michael Makiolla, Ludger Osterkamp, Staatssekretär Christoph Dammermann und Moderatorin Ute Soldierer.
Auf Einladung des NRW-Familienministeriums diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Forschung und Politik über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Manchmal unterstreicht ein Feuerwehrauto den Erfolg von familienfreundlichen Unternehmen. Zumindest leitete ExTox-Geschäftsführer Ludger Osterkamp den Business Talk des NRW-Familienministeriums mit dieser Anekdote ein. Er empfing MAXIMAGO-CEO Daniel Greitens, Staatssekretär Christoph Dannemann, Arbeitsmarkt-Wissenschaftlerin Corinna Frodermann (Agentur für Arbeit Nürnberg) und Diversity Managerin Bianca Boudein (ERGO Group AG) zur Diskussion „Chancen durch Vereinbarkeit – mit Familienfreundlichkeit zum Erfolg.“

Über 60 Zuhörer im ExTox-Konferenzraum, selbstverständlich mit Kinderzeichnungen an der Wand, hörten Osterkamps Anekdote über das vierjährige Mitarbeiterkind, das sich in das große Vertriebsmeeting schlich, höchst unauffällig unter dem Tisch bis zum Chef kroch, nur um ihm sein neustes Kunstwerk, ein rotes Feuerwehrauto, zu überreichen. „Mit solchen Geschichten verlässt du die Firma abends mit einem Lächeln und kommst morgens mit einem zurück.“ Für ihn ist die Familienfreundlichkeit der Wert, mit dem er ExTox gegründet hat.

Vorher hat er für ein amerikanischen Unternehmen gearbeitet, das den Profit vorangestellt hat. Aber Firmen sollten nach seiner Ansicht vor allem gegründet werden, um eine Familie zu ernähren, nicht um den Profit zu maximieren. Er ist sicher: „Wenn die Familie ganz oben steht“, folge der Profit zwangsläufig.

„Mitarbeiter wollen eine sinnstiftende Arbeit”

Dem wollte MAXIMAGO-CEO Daniel Greitens nicht vollumfänglich folgen: „Wir wollen eine sinnstiftende Arbeit bieten.“ In der Diskussionsrunde, moderiert von Ute Soldierer, hob er seinen Freund Wilhelm Kanne hervor: „Man könnte jetzt sagen, dass er Bäcker ist und Brötchen verkaufen will.“ Aber das reiche dem Lüner nicht, er hat seine Fahrzeugflotte auf E-Mobilität umgestellt, er übernimmt zusätzlich in verschiedenen Gremien Verantwortung für die Gesellschaft. Und diese Werte leben auch seine Mitarbeiter.

Diese Mission ist es, die elementar für die sogenannte „New Work“-Gesellschaft ist. Zu der gehören selbstverständlich Benefits wie Familienfreundlichkeit, Vertrauensarbeitszeit und mehr. „Aber wie verhindere ich, dass Mitarbeiter mich nicht einfach ausnutzen“, fragte ein Zuhörer. Vertrauen ist wichtig, sind sich Daniel Greitens und Ludger Osterkamp einig. Natürlich gäbe es noch oft den typischen Nine-to-Five-Arbeiter, der dank Vertrauensarbeitszeit und Home Office „um 8.05 Uhr aufhört zu arbeiten“. Aber wenn Mitarbeitende den Sinn ihrer Arbeit verinnerlicht haben und ein Vertrauen spüren, passiere dies nicht. „Und dieses Vertrauen muss von oben gelebt und gefördert werden“, betonte Greitens. Das bestätigte auch Osterkamp mit einer weiteren Anekdote: Niemand wollte eine 24-Stunden-Bereitschaft bei ExTox, dann fragte Osterkamp nach, was die Mitarbeiter denn machen, wenn ein Kunde wegen eines Defekts in der Freizeit anruft: „Dann helfe ich ihm am Telefon.“ Und wenn das nicht hilft? „Dann fahr ich halt raus.“ Selbstverständlich, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Sinn ihrer Arbeit kennen.

Denn Familienfreundlichkeit sei etwas, was es in Unternehmen oft gäbe, beim Kunden nicht unbedingt, sagte Dammermann: Wenn der Automechaniker wegen der Familie früher Feierabend machen müsse, stoße das doch beim Unverständnis beim Kunden, der ungern länger auf sein Fahrzeug wartet. Eine Situation, die Daniel Greitens nur allzu gut kennt. Als Softwareunternehmen beliefert MAXIMAGO zahlreiche Kunden in höchstkritischen Bereichen. „Und wenn es um Sicherheit an Flughäfen geht, können wir den Kunden nicht einfach vertrösten.“ Deswegen setzt er unter anderem auf große Teams, in der Arbeit gemeinsam abgefangen werden kann.

Diese Kultur wünscht sich Staatssekretär Dammermann, der den erkrankten Familienminister Dr. Stamp vertrat, in vielen Unternehmen: „Schaffen Sie sie, indem sie neugierig auf das Individuum im Unternehmen sind“, appellierte er ans Publikum. Dann leite ein Unternehmer seine Mitarbeiter auf einen guten Weg sowohl im beruflichen als auch im privaten Leben.

Politik muss Leitplanken für menschorientierte Arbeit bieten

Aufgabe der Politik sei es dabei, die richtigen Rahmenbedingungen für menschorientierte Arbeitgeber zu sein. Dies bedeute die richtige Infrastruktur zu bieten, damit jede Person dort arbeiten könne, wo sie es möchte. Aber auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen stimmen: „Das am häufigsten gebrochenen Gesetz in Deutschland ist das Arbeitszeitgesetz“, sagte er am Donnerstag.

Familienfreundlichkeit bedeute nun einmal, sich während der Arbeitszeit auf sein Kind konzentrieren zu können, aber eben auch, am Sonntag, wenn das Kind auf dem Sportplatz spielt, berufliche E-Mails beantworten zu dürfen. „Und hier stellt sich dem Chef die Frage, ob er familienfreundlich oder gesetzestreu sein möchte.“

Gleichzeitig dürfen Vorgesetzte ihre Teams nicht zur Arbeit am Wochenende zwingen: Deshalb beendet er Mails, die er am Wochenende schreibt – „damit ich den Gedanken nicht vergesse“ – mit den Worten: „Sie lesen diese Mail möglicherweise am Wochenende, sie müssen aber erst am Montag antworten.“ Dass er trotzdem Antworten außerhalb der Arbeitszeit erhält, beweise ihm aber, dass seine Mitarbeiter einen Sinn in ihrer Arbeitsleistung sehen.

Unterstützung, um den Kopf frei zu haben

Um diese Leistung aufzurufen, ist es für die Diskussionsteilnehmer selbstverständlich, Familien zu unterstützen – „damit sie den Kopf frei haben“, sagte Bianca Boudein (ERGO). Als Topseller für Familien zählen für CEO Daniel Greitens das Sommerferienprogramm, an dem alle MAXIMAGO-Kinder teilgenommen haben. Dieses Angebot habe mehrere Vorteile: Zum einen können Eltern sorgenfrei arbeiten, weil ihre Kinder professionell betreut werden, zudem stärken die Angebote die Bindung an den Arbeitgeber. „Die Kinder tragen heute noch mit Stolz ihre Rucksäcke und T-Shirts.“ Und wenn sich ein Mitarbeiter mal unwohl auf der Arbeit fühlt, interveniert vielleicht die ganze Familie: „Da kündigst du nicht.“ Zudem ist es wichtig, seine Unternehmenskultur nicht komplett auf die Familie auszurichten, sondern individuell: Durch die junge Altersstruktur in der IT-Branche biete er mit einem umfangreichen Gesundheits- und Sport- und Unterhaltungsangebot auch Benefits für kinderlose Mitarbeitende und ihre Partner. So verhindert er, dass sich jemand ungerecht behandelt fühlen könnte.

ExTox-Geschäftsführer Ludger Osterkamp hat neben dem Familienprogramm auch die älteren Familienmitglieder im Blick: Er hat sich zum Pflegebegleiter ausbilden lassen, um seine Mitarbeitenden besser beraten zu können, zudem gibt es einen „Elternsprechtag“, an dem alle Eltern die Firma besuchen können.

Auch Arbeitsmarkt-Forscherin Frodermann betonte die Wichtigkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In einer Studie mit der Universität Frankfurt stellten sich die Vorteile klar heraus: Mitarbeiter seien zufriedener, kündigen seltener und „damit ist Familienfreundlichkeit eine Win/Win-Situation.“

Über den Business Talk

Die schwarz-gelbe Landesregierung hat sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als eines der Schwerpunktthemen ihrer Legislaturperiode gesetzt. Nicht umsonst ist der stellvertretende Ministerpräsident zeitgleich Familienminister – das ist bundesweit einzigartig. Die Familienfreundlichkeit im Unternehmen ist nicht nur für Mitarbeiter wichtig, auch die Unternehmen haben die familienfreundliche Personalpolitik als Wettbewerbsvorteil in Zeiten des Fachkräftemangels erkannt. Deshalb ist das Landesministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration (MKFFI) um den stellvertretenden NRW-Ministerpräsidenten Dr. Joachim Stamp bestrebt, auch kleine und mittlere Betriebe von den Vorteilen familienfreundlicher Maßnahmen zu überzeugen. Ein Baustein ist dabei der Business Talk, der bereits sechs Mal stattgefunden hat. Hier haben Geschäftsleitungen und Personalverantwortliche die Chance an wechselnden Orten in Nordrhein-Westfalen in den Dialog über Best Practices und Hürden zu treten.

Presse

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Tobias Kestin

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