Showcase

Dimension i4.0 Großprojekt mit IFM

Großprojekte sind aufregend und spannend. Vor allem dann, wenn ein mittelständisches, technisch orientiertes Unternehmen wenig Erfahrung mit Software-Großprojekten hat und zudem auf keine langjährige Partnerschaft mit externen UX-Agenturen zurückgreifen kann – so wie die ifm Ende 2016 zu Beginn der Entwicklung der „ifm I4.0 suite“. Gemeinsam mit MAXIMAGO führte die ifm dieses Projekt trotz vieler Risikofaktoren zum Erfolg und überzeugte dabei Stakeholder und Management von UX-Prozessen und -Denkweisen.

Räumliche Nähe und gemeinsame Ziele

Die ifm electronic gmbh entwickelt, produziert und vertreibt Produkte der Automatisierungs- und Sensortechnik und ist mit über 6.700 Mitarbeitern in über 70 Ländern der Welt vertreten. Die Hauptverwaltung, der Vertrieb und das Logistikzentrum befinden sich in Essen. Ende 2016 startete die ifm ein großes, bereichs- und produktübergreifendes Software-Innovationsprojekt: „ifm Industrie 4.0 Leuchttürme“. MAXIMAGO war als Projektpartner naheliegend – nicht nur im (w)örtlichen Sinne, sondern vor allem aufgrund der gemeinsamen Ziele. Außerdem stimmte von Anfang an die Chemie zwischen den Verantwortlichen und Projektteams. Beim Start des Projekts standen die vier Produktschwerpunkte im Vordergrund, unter anderem das Thema Anlagenwartung.

ifm wollte die Themen als einzelne Software-Lösungen mit einem einheitlichen Bedienkonzept anbieten. Dieses sollte den Grundstein für die gesamte Software-Landkarte der ifm Unternehmensgruppe legen.

Mit AIM zur „IFM I4.0 Suite“

Um die unterschiedlichen Perspektiven der einzelnen Projektgruppen und deren Mitglieder – Vertreter aus Vertrieb, Produkt- und technischem Management – zu verstehen und zusammenzubringen, startete das ifm-Inhouse-UX-Team zusammen mit MAXIMAGO ein Vorprojekt. Zum Einsatz kam hierbei die von MAXIMAGO entwickelte Methode „AIM“ – ein schlankes Vorgehensmodell, um klar nachvollziehbar und argumentierbar visionäre Software-Produkte zu entwickeln, die das passende Funktionsspektrum zum richtigen Zeitpunkt bieten. AIM berücksichtigt alle Perspektiven gleichberechtigt und stellt so sicher, dass die entstehenden Produkte visionär und innovativ sind, aber zugleich verständlich und hilfreich. Technische Machbarkeiten werden bereits bei strategischen Anfangskonzepten berücksichtigt; umgekehrt spielen später in den Umsetzungsphasen auch strategische Bewertungen bei technischen Fragestellungen eine wichtige Rolle. Zudem liefert AIM ein Rollenmodell mit entsprechenden Regeln, Argumentationsvorgaben und Leitplanken für die nachhaltige, langfristige Aufrechterhaltung der strategischen Zielsetzung.

Die AIM-Analysephasen wurden innerhalb weniger Wochen durchlaufen, und an deren Ende standen die Produktvision, Rahmenbedingungen, grobe Nutzungskontextbeschreibungen und damit unter anderem Informationen über Benutzergruppen, ihre Anforderungen und Arbeitsabläufe.

Um die Eindrücke aus der Analyse zu vertiefen oder zu korrigieren wurden „Site Visits“ durchgeführt: Besichtigungen von unterschiedlichen Produktionsanlagen und deren Abläufen; ergänzt durch Beobachtungen und Interviews mit Nutzern wie Produktionsleitern, Instandhaltern, Meistern, dem technischen Support und mehr. Dadurch vervollständigte das Team die Informationen und identifizierte Einflussgrößen und Störfaktoren, die in den Workshops nicht zur Sprache gekommen waren.

„Die Erfahrung von MAXIMAGO mit Großprojekten sowie die Kenntnisse über Menschen und Methoden haben das Projekt strukturiert und die nötige Aufmerksamkeit erregt. Das ifm-Team hat das Wissen über das interne Netzwerk und das detaillierte Applikationswissen zu den einzelnen Fachthemen. Nur gemeinsam war und ist dieses Großprojekt zu meistern.“

Linda Schmidt, Abteilungsleiterin UX und Industrial Design, ifm

Einblicke von echten Nutzern

Elementarer Bestandteil der Analysephase sind die sogenannten „Site Visits“: Die UX Engineers von MAXIMAGO lernen vor Ort, etwa in den Produktionshallen oder in Büros, die Arbeitsabläufe und Softwarenutzung intensiv kennen. Die eigenen Beobachtungen der Arbeitsverhältnisse wie Licht, Lautstärke und Monitorstandorte, fließen in die Entwicklung der Software ein. Zusätzlich führen die UX Engineers Interviews mit den echten Nutzern der Software, um sie und ihr Umfeld zu verstehen.

Mit AIM eine neue Produktvision erschaffen

Gemeinsam haben wir in kurzer Zeit herausgearbeitet, dass nicht unterschiedliche, separate Software-Anwendungen das Ziel sind, sondern ein integriertes Softwaresystem, das die vier Projekte in einem Konzept vereinigt. Diese Produktvision überzeugte das AIM-Team, alle beteiligten Stakeholder sowie das Management mit dem Ergebnis, dass diese Erkenntnis ab diesem Zeitpunkt als allgemeine „Bodenplatte“ angesehen wurde. Ab diesem Zeitpunkt wurde nicht mehr an „Leuchttürmen“ gearbeitet, sondern die „ifm suite“ aufgebaut. Eine weitere Erkenntnis: Das Thema Anlagenwartung (Predictive Maintenance) ist das vielversprechendste von allen mit dem größten Nutzen und Marktpotenzial. Aus diesem Grund sollte die weitere Entwicklung der ifm suite einen Schwerpunkt auf dieses Thema legen.

Die gewonnenen Erkenntnisse waren tiefgreifend und haben für die komplette Neuausrichtung des Gesamtprojekts gesorgt: Das Projektteam wurde neu aufgestellt, neue Projektverantwortliche ernannt und eine Entwicklungsmannschaft aufgebaut, die über mehrere ifm-Standorte verteilt die ifm suite entwickelt; ux-seitig unterstützt und begleitet durch umfangreiche Analysen und detaillierte Konzeptionsarbeiten.

Die Mühen und der gemeinsame Weg haben sich gelohnt: die Entwicklung ist im vollen Gange und Ende 2019 wird das erste Modul „Anlagenwartung“ der Plattform auf den Markt kommen.